Die europäische Chemieindustrie steht vor unüberwindbaren Schwierigkeiten, sollten nicht dringend Maßnahmen ergriffen werden, warnt Sir Jim Ratcliffe
- Die Schwierigkeiten sind unmöglich zu bewältigen: Seit dem ersten Treffen im belgischen Antwerpen im Februar 2024 wurden 101 Standorte geschlossen, 25 Millionen Tonnen Produktionskapazität in der Chemie sind verloren gegangen, 75.000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen und 70 Milliarden Euro wurden an Vermögenswerten in Europa vernichtet.
- Europa hat seine Emissionen nicht reduziert, sondern exportiert. Die Produktion hat sich in die USA und nach China verlagert, wo die Kohlenstoffintensität zwei- bis dreimal höher ist. Dadurch haben sich die globalen CO2-Emissionen um mehr als 20 Millionen Tonnen erhöht, während die Importe steigen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas erodiert.
- Sofortige Maßnahmen sind jetzt erforderlich: Energiekosten, CO2-Abgaben und schwache Handelsschutzmaßnahmen vertreiben die Industrie aus Europa.
Sir Jim Ratcliffe schloss sich am 11. Februar 2026 den CEOs der europäischen Industrie auf dem dritten EU-Gipfel in Antwerpen (Antwerp Summit) an, um den Staats- und Regierungschefs der EU vor der Tagung des Europäischen Rats im belgischen Alden Biesen eine deutliche Warnung zu übermitteln: Die europäische Chemieindustrie ist unter den derzeitigen Bedingungen ohne sofortiges Eingreifen nicht überlebensfähig.
Auf dem EU-Industriegipfel (European Industry Summit) in Antwerpen forderte die Antwerp Declaration Community – sie vertritt mehr als 1.300 Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften – dringende koordinierte Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und zum Schutz hochwertiger Industriearbeitsplätze in Europa.
„Die europäische Chemieindustrie ist äußerst erfolgreich und ein großer Gewinn für Europa. Sie steht für eine Million Arbeitsplätze und einen Umsatz von einer Billion Euro. Ohne sie können wir nicht so leben wie heute“, sagt Sir Jim Ratcliffe. „Die Branche befindet sich derzeit im Niedergang. Ohne Chemieindustrie können wir keine Krankenhäuser betreiben, können wir Menschen nicht ernähren und können uns nicht verteidigen. Für die nationale Sicherheit ist sie von entscheidender Bedeutung.“
Am Gipfel nahmen mehr als 500 Führungskräfte aus der Wirtschaft, Fabrikbeschäftigte und hochrangige Entscheidungstragende der EU teil. Dabei war auch Dr. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission. Der Gipfel fand in Anwesenheit europäischer Staats- und Regierungschefs sowie EU-Kommissare unter der Schirmherrschaft des belgischen Premierministers Bart De Wever statt.
Sir Jim Ratcliffe, Vorstandsvorsitzender von INEOS, legt das Ausmaß der Herausforderung dar, vor der die industrielle Basis Europas steht: „Seit Februar 2024, als wir uns zum ersten EU-Gipfel in Antwerpen trafen, wurden 101 Industriestandorte geschlossen, 25 Millionen Tonnen Produktionskapazität in der Chemie sind aus Europa abgewandert und mehr als 75.000 Menschen haben ihren Job verloren. Der Wiederaufbau dieser Anlagen würde rund 70 Milliarden Euro kosten. Das ist ein enormer Verlust für die industrielle Basis Europas und für die Städte und Gemeinden, die davon abhängig sind.“
Sir Jim Ratcliffe warnt davor, dass der derzeitige Kurs Europas die globalen Emissionen erhöht statt reduziert: „Europa hat die Emissionen nicht gesenkt, sondern exportiert. Die Produktion wurde in die USA und nach China verlagert, wo die Kohlenstoffintensität weitaus höher ist. Infolgedessen sind die globalen Emissionen um mehr als 20 Millionen Tonnen CO₂ gestiegen.“
Die Ursache sei klar: „Die Energiepreise in Europa sind nach wie vor etwa viermal so hoch wie in den USA. Steigende CO₂-Abgaben und schwache Handelsschutzmaßnahmen vertreiben Investoren. Diese Bedingungen killen die europäische Chemieindustrie. Anlagen werden nicht mangels Engagements geschlossen, sondern weil sie wirtschaftlich unrentabel sind.“
Die Lösung besteht darin, sie zu schützen. Schnell. Es gibt drei Dinge, die die Kommission und die Staats- und Regierungschefs beim heutigen Treffen in Alden Biesen berücksichtigen sollten:
- Schützen Sie Europa vor der Flut billiger Importe, die auf unseren Märkten gedumpt werden, insbesondere jetzt, da die USA ihre Märkte geschlossen haben. Antidumpingzölle dauern zwei Jahre. Machen Sie daraus sechs Monate (wie in den USA). Und prüfen Sie Zölle und Schutzmaßnahmen für eine kritische Branche.
- Setzen Sie die CO₂-Abgaben für fünf Jahre aus und überprüfen Sie deren Zweck. Sie führen nur dazu, dass europäische Produktionsstätten geschlossen werden, Arbeitsplätze verloren gehen und die CO2-Emissionen steigen. Das Gegenteil der ursprünglichen Absicht.
- Energiekosten für die Industrie (derzeit drei- bis viermal so hoch wie in den USA) müssen wettbewerbsfähiger werden.
Trotz der Dringlichkeit der Lage betont Sir Jim Ratcliffe, dass Europa noch eine andere Wahl habe: „Mit den richtigen Entscheidungen kann Europa jetzt eine wettbewerbsfähige widerstandsfähige Chemieindustrie wiederaufbauen, die das Gesundheitswesen, sauberes Wasser, den Agrarsektor, die Verteidigung und Energiesicherheit unterstützt. Wir können hochwertige Arbeitsplätze in der Industrie schützen und die Emissionen durch Investitionen in kohlenstoffarme Produktion, Wasserstoff und Kohlenstoffspeicherprojekte wie Greensand wirklich reduzieren. Europa kann die Energiewende und Innovation nur mit der Industrie vorantreiben, nicht ohne sie. Es kann seine Souveränität stärken und die globalen Emissionen senken, indem es zu Hause effizient produziert, statt Güter aus anderen Ländern zu importieren.“
Die Führungskräfte aus der Wirtschaft bekräftigten ihre Bereitschaft, konstruktiv mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten, um praktikable Lösungen zu finden.
„Die Zeit des Redens ist vorüber“, schließt Sir Jim Ratcliffe. „Europa muss jetzt handeln, um die Konditionen zu schaffen, unter denen die Industrie überleben und wieder in Europa investieren kann.“
Kontakte für Medien
INEOS PR: +44 207 193 9030 | ineos@firstlightgroup.io
Richard Longden: INEOS | richard.longden@ineos.com | +41 79 962 61 23
Hinweis für Redaktionen
Sir Jim Ratcliffe hielt am 11. Februar 2026 auf dem Antwerpener Gipfel vor der Sitzung des Europäischen Rats im belgischen Alden Biesen folgende Rede vor Dr. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, und dem belgischen Premierminister Bart De Wever.
Die Antwerp Declaration Community – sie vertritt mehr als 1.300 Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften aus ganz Europa – forderte die Staats- und Regierungschefs der EU auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie wiederherzustellen, hochwertige Arbeitsplätze zu sichern und den Clean Industrial Deal bis 2026 in konkrete Ergebnisse in den Fabrikanlagen umzusetzen.
An dem Gipfel nahmen mehr als 500 Führungskräfte aus der Wirtschaft, Fabrikbeschäftigte und hochrangige Entscheidungstragende der EU teil, darunter der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron, der niederländische Ministerpräsident Dick Schoof, der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker, die stellvertretenden Vorsitzenden Teresa Ribera und Stéphane Séjourné sowie weitere europäische Spitzenpolitiker/innen.
Rede von Sir Jim Ratcliffe, Vorstandsvorsitzender von INEOS
„Frau Präsidentin, Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren, die europäische Chemieindustrie ist äußerst erfolgreich und ein großer Gewinn für Europa. Sie beschäftigt eine Million Menschen und erzielt einen Umsatz von einer Billion Euro. Ohne sie können wir nicht so leben wie heute.
Die aktuellen Handelsbedingungen für Chemikalien in Europa sind jedoch existenzbedrohend. Kein Chemieunternehmen wird mit den aktuellen Energiekosten und CO2-Abgaben sowie ohne Zoll- oder Einfuhrschutz überleben können.
Die Branche befindet sich derzeit im Niedergang.
Ohne Chemieindustrie können wir keine Krankenhäuser betreiben, können Menschen nicht ernähren und uns nicht verteidigen. Sie ist für die nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung.
Die Lösung, Frau Präsidentin, besteht darin, sie zu schützen. Schnell. Es gibt drei Dinge, um deren Berücksichtigung ich Sie höflich bitte:
- Schützen Sie Europa vor der Flut billiger Importe, die auf unseren Märkten gedumpt werden, insbesondere jetzt, da die USA ihre Märkte geschlossen haben. Antidumpingzölle dauern zwei Jahre. Machen Sie daraus sechs Monate (wie in den USA). Und prüfen Sie Zölle und Schutzmaßnahmen für eine kritische Branche.
- Setzen Sie die CO2-Abgaben für fünf Jahre aus und überprüfen Sie deren Zweck. Sie führen nur dazu, dass europäische Produktionsstätten geschlossen werden, Arbeitsplätze verloren gehen und die CO2-Emissionen steigen. Das Gegenteil der ursprünglichen Absicht.
- Energiekosten für die Industrie (derzeit drei- bis viermal so hoch wie in den USA) müssen wettbewerbsfähiger werden.
Bildcopyright: Antwerp Declaration 2026